Australien asphaltiert Straßen mit recycelten Kaffeebechern
In South Penrith und Erskine Park bei Sydney wurden zwei Straßen mit Asphalt saniert, der fast 136.000 recycelte Kaffeebecher und Glas aus über 1,2 Millionen Flaschen enthält. Der Belag PAK-PAVE Roads soll laut Hersteller 24 Prozent weniger CO2 verursachen.
Im Westen von Sydney sind zwei Straßen mit einem Asphaltbelag saniert worden, in dem recycelte Einweg-Kaffeebecher und Glasabfälle verarbeitet wurden. Wie die Stadt Penrith mitteilte, kamen auf insgesamt 740 Metern Fahrbahn rund 136.000 gebrauchte Kaffeebecher sowie der Gegenwert von mehr als 1,2 Millionen Glasflaschen zusammen. Der Belag trägt den Namen PAK-PAVE Roads und wurde von State Asphalts NSW gemeinsam mit Closed Loop Environmental Solutions entwickelt, dem Betreiber des australischen Rücknahmeprogramms Simply Cups.
Den Anfang machte Anfang 2023 die Jamison Road im Stadtteil South Penrith. Dort trug eine Kolonne von State Asphalt Services nachts eine neue Deckschicht auf 390 Metern auf, in der rund 72.000 gesammelte Becher steckten. Anschließend folgte der Swallow Drive in Erskine Park mit weiteren 350 Metern und etwa 64.000 Bechern. Nach Angaben der Stadtverwaltung landeten 85 Prozent aller im Jahr 2022 im Gemeindegebiet für das Recycling erfassten Papierbecher in diesen beiden Straßen. Die Becher stammten aus den Sammelstellen von Simply Cups, zu denen mehr als 630 Filialen der Kette 7-Eleven gehören.
Einweg-Kaffeebecher bestehen aus Karton, sind innen aber mit einer dünnen Kunststoffschicht beschichtet, die eine Verarbeitung zusammen mit normalem Altpapier verhindert. Eine Fallstudie der University of New South Wales (UNSW) kommt zu dem Ergebnis, dass deshalb rund 90 Prozent dieser Becher auf Deponien landen. Die Umweltorganisation Planet Ark schätzt, dass in Australien täglich 2,7 Millionen Kaffeebecher weggeworfen werden. In einer Umfrage von Planet Ark aus dem März 2022 glaubte die Hälfte der Teilnehmenden fälschlich, die Becher in die heimische Recyclingtonne geben zu können.
Für die Herstellung des Asphalts werden die Becher zunächst zerkleinert und zu einer Faser verarbeitet, die als PAK-PAVE Fibre bezeichnet wird. Diese Faser wird mit Gesteinskörnung aus Schotter und Sand sowie mit Bitumen vermischt, dem schwarzen Bindemittel des Asphalts. Ohne die Zellulosefasern, so erläuterte das Fachmagazin Roads & Infrastructure im April 2023, hätte die Gesteinsmischung eine offene Struktur und könnte nur wenig Bitumen binden. Herstellerangaben zufolge ersetzt PAK-PAVE damit einen Zusatzstoff, der zuvor aus Deutschland importiert und aus Rohöl hergestellt wurde.
Neben den Bechern enthält der Belag von Penrith zerkleinertes Glas, aus alten Straßen zurückgewonnenes Asphaltgranulat und Stahlwerksschlacke, ein Nebenprodukt der Stahlherstellung. Nach Angaben der Stadt liegt der Recyclinganteil der Mischung über 50 Prozent. Closed Loop zufolge verbessert PAK-PAVE die Haltbarkeit des Belags und seine Rissbeständigkeit, bietet bei Regen besseren Grip und verursacht weniger Fahrgeräusche. Zudem seien dünnere Schichten möglich und es werde weniger Rohmaterial benötigt. Das Unternehmen gibt an, die CO2-Bilanz des Asphalts liege 24 Prozent niedriger als bei herkömmlichen Mischungen.
Die Idee entstand laut den Beteiligten aus einem Alltagsmoment. John Kypreos, Direktor von State Asphalts NSW, erinnerte sich in Roads & Infrastructure an ein Gespräch mit Rob Pascoe, dem Geschäftsführer von Closed Loop: Pascoe habe einen Kaffeebecher in der Hand gehalten und gefragt, ob man ihn nicht wieder in Straßen unterbringen könne. Kypreos griff zum Telefon und rief am nächsten Tag an. Chris Collimore, Vertriebsleiter von Closed Loop, verlegte den Ursprung in einem Bericht des Guardian aus dem Jahr 2020 auf eine abendliche Geburtstagsfeier.
Bevor die Mischung auf einer öffentlichen Straße zum Einsatz kam, wurde sie auf einem 50 Meter langen Testabschnitt im Westen von Sydney erprobt. Monatelang rollten schwer beladene Lastwagen darüber, ohne dass der Belag riss. Zusätzlich bestand er einen Test in einer Maschine, die ihn bis zum Bruch biegt. Kypreos zufolge schneidet das Produkt besser ab als die bisher hergestellten Mischungen. Die Entwicklung wurde durch das Programm der Cooperative Research Centres der australischen Bundesregierung gefördert und von der UNSW begleitet, die mit bildgebenden Verfahren untersuchte, wie sich die recycelten Materialien verhalten. Diese Arbeit ermöglichte nach Angaben der Universität die Genehmigung der Umweltbehörde von New South Wales für einen Versuch mit Becher-Pellets.
Nasser Khalili, Leiter der Fakultät für Bau- und Umweltingenieurwesen an der UNSW, sagte, das Projekt biete die Chance, eines der großen Umweltprobleme der Gesellschaft zu lösen. Penriths Bürgermeisterin Tricia Hitchen erklärte, Autofahrer dürften unter normalen Bedingungen kaum Unterschiede zwischen PAK-PAVE und anderen Belägen bemerken, außer dass er leiser sei. Bei widrigen Wetterverhältnissen werde jedoch eine verbesserte Bremswirkung gemeldet.
5
