Griechischer Neonazi Kasidiaris aus Haft entlassen und kündigt neue Partei an
Ilias Kasidiaris, ehemaliger Sprecher der verbotenen rechtsextremen Partei Goldene Morgenröte, ist nach rund der Hälfte seiner Haftstrafe freigekommen. Er will mit einer neuen nationalen Partei zurück in die Politik – und Griechenlands Parlamentswahlen im kommenden Jahr könnten davon erschüttert werden.
Der griechische Neonazi und frühere Sprecher der rechtsextremen Partei Goldene Morgenröte, Ilias Kasidiaris, ist am Dienstag aus dem Gefängnis von Domokos im Zentrum Griechenlands entlassen worden. Mit erhobener Faust und einer griechischen Fahne in der Hand erklärte der 45-Jährige seinen Anhängern, er kehre in die Politik zurück – mit einer «neuen, starken nationalen Partei, wie jene, die ganz Europa dominieren». Dutzende jubelnde Unterstützer, viele mit griechischen Fahnen, empfingen ihn vor dem Gefängnis und skandierten «Ilias, wir stehen hinter dir» und «Wir machen dich zum Regierungschef».
Kasidiaris war im Jahr 2020 von einem griechischen Gericht wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung zu 13 Jahren Haft verurteilt worden. Das Gericht stufte die Goldene Morgenröte nach einem Mammutprozess als kriminelle Organisation ein und verurteilte auch den früheren Parteichef Nikos Michaloliakos sowie fast 60 weitere Mitglieder zu Haftstrafen zwischen fünf und 13 Jahren. Zu den schwersten Taten, die dem Urteil zugrunde lagen, zählten die Ermordung des linken Rappers Pavlos Fyssas im Jahr 2013 sowie brutale Übergriffe auf Migranten und politische Gegner, darunter die schwere Misshandlung ägyptischer Migranten im Jahr 2012. Der Prozess gilt als einer der wichtigsten in der politischen Geschichte Griechenlands.
Dass Kasidiaris nun nach rund der Hälfte seiner Strafe freikommt, ermöglichte das griechische Justizsystem: Weil er im Gefängnis einer geregelten Arbeit nachging und entsprechende Kreditpunkte sammelte, wurde seine Haftstrafe reduziert. Bereits 2014 hatte er ein Jahr in Untersuchungshaft gesessen, ab 2020 erneut. Seine Inhaftierung bezeichnete er als «hinterhältige und dreckige Verschwörung» seiner politischen Gegner. Für kommenden Montag kündigte er an, den Namen seiner neuen Partei bekanntzugeben.
Kasidiaris sitzt seit 2012 für die Neonazi-Partei im griechischen Parlament, dem er bis 2019 angehörte. Selbst während der Haft stellte er seine politischen Aktivitäten in Onlinediensten nicht ein und gründete im Gefängnis die Partei «Die Hellenen», mit der er an der Parlamentswahl 2023 teilnehmen wollte. Der Oberste Gerichtshof Griechenlands verwehrte ihm jedoch die Zulassung. Im Juli 2026 erregte er die Aufmerksamkeit des US-Unternehmers Elon Musk, der einen X-Beitrag teilte, in dem Kasidiaris gefeiert wurde, und dessen Inhaftierung als «völlig krank» bezeichnete. Kasidiaris nannte Musk daraufhin die «bedeutendste Persönlichkeit der Welt».
Die Goldene Morgenröte war bis zur griechischen Schuldenkrise 2010 eine unbedeutende Partei. 2012 nutzte sie die öffentliche Unzufriedenheit über Zuwanderung und Sparmaßnahmen und zog erstmals ins Parlament ein; drei Jahre später war sie drittstärkste politische Kraft des Landes. Kasidiaris macht aus seiner radikalen Haltung keinen Hehl: Er zeigte sich wiederholt als Bewunderer Adolf Hitlers und des Dritten Reichs, zählt aber auch den griechischen Diktator Ioannis Metaxas zu seinen Vorbildern. Laut griechischen Medienberichten trägt er ein Hakenkreuz-Tattoo.
Nach seiner Entlassung richtete Kasidiaris eine Kampfansage an die demokratischen Parteien: «Mein Ziel ist es, das Land von der korruptesten Regierung der Zeit nach der Junta zu befreien.» Politiker jammerten und intrigierten und wollten ihm die Rückkehr ins Parlament verwehren, sagte er. «Doch in einer Demokratie gibt es nur einen Richter: das souveräne griechische Volk.» Politische Beobachter in Griechenland halten es für möglich, dass seine Rückkehr die politische Landschaft «fundamental erschüttern» könnte. Im kommenden Jahr stehen in dem EU-Land Parlamentswahlen an. Zwar dürfte Kasidiaris wegen seiner Verurteilung und des früheren Urteils des Obersten Gerichtshofs starken Auflagen unterliegen und kaum zum Gesicht einer neuen Partei werden. Er könnte jedoch rechtliche Schlupflöcher nutzen, die ihm eine Kandidatur dennoch ermöglichen. Griechenland wird derzeit von Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis von der Mitte-Rechts-Partei Nea Demokratia regiert.
