KI erstellt erste vollständige Ultraviolett-Karte des Himmels
Der Astrophysiker Brice Ménard von der Johns Hopkins University hat mithilfe von Anthropics Claude Science erstmals den gesamten Himmel im ultravioletten Licht kartiert. KI-Agenten sammelten und kalibrierten Daten mehrerer Weltraummissionen und füllten Lücken per Inpainting. Die Abweichungen lagen im Schnitt bei etwa zehn Prozent.
Der Astrophysiker Brice Ménard von der Johns Hopkins University hat mit Unterstützung von Anthropics Claude Science die erste vollständige Karte des Himmels im ultravioletten Licht erstellt. Wie das Technologiemagazin The Decoder berichtet, übernahmen KI-Agenten die Aufgabe, Daten aus mehreren Weltraummissionen herunterzuladen, zu kalibrieren und fehlende Bereiche mit einer als Inpainting bezeichneten Methode zu ergänzen. Das Ergebnis ist eine durchgängige Ultraviolett-Karte des gesamten Himmels, die nach Angaben des Forschers ohne den Einsatz von KI nicht zustande gekommen wäre.
Die ultraviolette Strahlung ist für Teleskope am Erdboden weitgehend unsichtbar, da sie von der Atmosphäre absorbiert wird. Beobachtungen müssen daher aus dem Weltraum erfolgen. Die Daten, die verschiedene Satellitenmissionen über Jahre hinweg gesammelt haben, sind jedoch uneinheitlich kalibriert und weisen Lücken auf. Genau hier setzte das KI-gestützte Verfahren an: Die Agenten führten die Aufnahmen aus unterschiedlichen Quellen zusammen, glichen die Messwerte an und ergänzten fehlende Himmelsregionen rechnerisch. Die so erzeugten Vorhersagen wichen im Durchschnitt etwa zehn Prozent von den tatsächlich gemessenen Werten ab.
Ménard sieht in dem Projekt ein Beispiel für Forschung, die ohne KI schlicht nicht durchgeführt worden wäre. Die Kombination aus automatischer Datenbeschaffung, Kalibrierung und Lückenfüllung ermöglichte eine Gesamtschau, die mit herkömmlichen Methoden einen erheblichen manuellen Aufwand erfordert hätte. Die vollständige Ultraviolett-Karte könnte künftig als Referenz für weitere astronomische Untersuchungen dienen und die Analyse von Sternentstehungsgebieten, Galaxien und interstellarem Staub erleichtern.
Der Einsatz von KI in der astronomischen Forschung ist nicht neu, doch die vollständige Kartierung des Himmels in einem Wellenlängenbereich, der vom Boden aus nicht zugänglich ist, markiert einen Schritt über die reine Datenverarbeitung hinaus. Die Agenten trafen Entscheidungen über die Zusammenführung heterogener Datensätze und die Rekonstruktion fehlender Bereiche. Die Genauigkeit der Ergebnisse – gemessen an der durchschnittlichen Abweichung von rund zehn Prozent – zeigt, dass die Methode für wissenschaftliche Zwecke brauchbar ist, auch wenn sie Messungen nicht ersetzt. Die Karte ergänzt vielmehr bestehende Beobachtungen und macht sie für die weitere Forschung nutzbar.
Die Arbeit wirft zugleich Fragen nach der Rolle von KI in der Wissenschaft auf. Wenn Agenten Daten beschaffen, kalibrieren und interpretieren, verschiebt sich die Tätigkeit des Forschers von der manuellen Auswertung hin zur Definition von Zielen und zur Bewertung der Ergebnisse. Ménard betont, dass das Projekt ohne KI nicht realisiert worden wäre. Für die Astronomie bedeutet das eine Erweiterung der Möglichkeiten: Große Datenmengen aus verschiedenen Quellen lassen sich schneller zusammenführen, und Lücken in der Beobachtung können überbrückt werden. Ob sich der Ansatz auf andere Wellenlängenbereiche oder Missionen übertragen lässt, ist noch offen. Die erste vollständige Ultraviolett-Karte des Himmels liefert dafür eine Grundlage und zeigt, wie KI die Grenzen der Datengewinnung verschieben kann.
6
