Der Stadtrat von San Francisco hat Mitte Juli ein Gesetz verabschiedet, das lizenzierten Cannabis-Verkäufern erlaubt, in ihren Räumen Speisen und alkoholfreie Getränke anzubieten – ähnlich den bekannten Coffeeshops in Amsterdam. Die neue Regelung soll es Touristen ermöglichen, Cannabis konsumierend in einem gastronomischen Umfeld zu verweilen, während Alkohol und Tabak verboten bleiben. Betreiber müssen zusätzlich zur normalen Cannabis-Lizenz eine Genehmigung des Gesundheitsamtes einholen, die Lebensmittelsicherheit gemäß Restaurantstandards garantieren und am Eingang das Alter jedes Kunden elektronisch überprüfen.
Die Rechtsgrundlage bildet der kalifornische Landesgesetz AB 1775, den Gouverneur Gavin Newsom 2024 unterzeichnet hatte und der Städten die Ausstellung entsprechender Genehmigungen ermöglicht. Bürgermeister Daniel Lurie, ein Demokrat, unterzeichnete die städtische Verordnung am 23. Juli. Ab dem 23. August nimmt das städtische Cannabis-Büro Anträge für die neuen Lizenzen entgegen. Rafael Mandelman, Präsident des Aufsichtsrats, erklärte, die Branche erhalte damit „ein echtes Werkzeug, um zu wachsen und zu konkurrieren“. Nikesh Patel, Direktor des San Francisco Office of Cannabis, betonte, man arbeite eng mit anderen Behörden zusammen, um die Umsetzung verantwortungsvoll zu gestalten und die Einhaltung der Vorschriften zu gewährleisten.
Befürworter hoffen auf einen wirtschaftlichen Schub für die angeschlagene Innenstadt. Amy O’Gorman Jenkins, Geschäftsführerin des kalifornischen Cannabis-Betreiberverbandes, sieht in den Cafés eine Chance, aus einem kurzen Verkaufsvorgang ein gastronomisches Erlebnis zu machen und dadurch mehr Besucher anzuziehen. Auch andere Städte könnten dem Beispiel folgen, falls sich das Modell in San Francisco bewährt. Die Verordnung sehe Schutzmaßnahmen für Beschäftigte gegen übermäßige Passivrauchbelastung vor.
Diese Schutzmaßnahmen stoßen jedoch auf Kritik. Die American Lung Association (Amerikanische Lungenvereinigung) warnt, dass die Zulassung von Cannabis-Lounges in die falsche Richtung führe. Kesa Bruce, Leiterin der kalifornischen Interessenvertretung der Organisation, erklärte, das Gesetz normalisiere die gesundheitsschädlichen Auswirkungen des Cannabis-Rauchens. Die Beschäftigten müssten täglich Stunden in einer Umgebung verbringen, in der sie schädlichen Luftschadstoffen ausgesetzt seien. Cannabisrauch enthalte viele der gleichen giftigen Chemikalien, Karzinogene und Feinstaubpartikel wie Tabakrauch.
Zusätzlich warnen Suchtexperten vor der unterschätzten Gefahr von heute erhältlichen Cannabis-Produkten. Corey Gamberg, Leiter des Rockland Recovery Center in Massachusetts, betonte, Marihuana werde oft als natürlich und harmlos angesehen, obwohl moderne Produkte weitaus potenter seien als in früheren Jahrzehnten und in der Klinik zunehmend psychische, emotionale und körperliche Folgen sichtbar würden. Trent Carter, ein zertifizierter Pflegefachmann und Suchtexperte aus New Mexico, berichtete von Patienten, die Cannabis gegen psychische oder körperliche Beschwerden einsetzten und dadurch eine ganze Reihe weiterer Symptome auslösten.
In den sozialen Medien, etwa auf einem San-Francisco-Reddit-Forum, stieß die Neuregelung auf gemischte Reaktionen. Einige Nutzer freuten sich über die neuen Treffpunkte, andere äußerten Skepsis – etwa über die Belastung durch Rauch in Innenräumen. Ein Nutzer wünschte sich weniger öffentliches Kiffen, da Passivrauch auf der Straße als unangenehm empfunden werde. Ein anderer kommentierte, die Idee von sozialen Räumen sei zwar gut, aber der Rauch mache einen längeren Aufenthalt unerträglich.
Die Debatte fällt in eine Zeit, in der Cannabis zunehmend mit der Reisebranche verflochten ist. Erst kürzlich erinnerten US-Behörden daran, dass der Transport von Cannabis über internationale Grenzen weiterhin illegal sei – selbst legal in den USA erstandene Produkte könnten im Ausland zu hohen Geldstrafen oder Gefängnisstrafen führen. Die Entwicklung in San Francisco wird daher nicht nur lokal, sondern auch von anderen Städten und von Reisenden aufmerksam verfolgt.
