Das US-Bildungsministerium hat offizielle Untersuchungen gegen zwei Schulbezirke eingeleitet, nachdem Beschwerden eingegangen waren, dass Schüler ohne Einwilligung ihrer Eltern mit Inhalten zu Sexualverhalten und Geschlechtsidentität konfrontiert worden seien. Die Ermittlungen betreffen die Denver Public Schools im Bundesstaat Colorado und den Bethel School District im Bundesstaat Washington. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob die Bezirke gegen den Protection of Pupil Rights Amendment (PPRA) verstoßen haben, ein Bundesgesetz, das Eltern das Recht einräumt, ihre Kinder von bestimmten Befragungen oder Evaluierungen in der Schule auszuschließen.
Konkret geht es um Vorfälle, bei denen in Schulen Szenen mit gleichgeschlechtlichen Küssen gezeigt wurden, sowie um eine Ausstellung zu Testosteron. Kritiker sehen darin eine unangemessene Einflussnahme auf Minderjährige ohne Wissen der Eltern. Die Behörden prüfen nun, ob die Schulen die gesetzlich vorgeschriebene Zustimmung der Erziehungsberechtigten eingeholt haben, bevor sie die Kinder mit diesen Inhalten konfrontierten. Der PPRA wurde eingeführt, um die Privatsphäre von Schülern zu schützen und Eltern die Kontrolle über die Teilnahme ihrer Kinder an bestimmten erziehungsbezogenen Erhebungen zu geben.
Die Denver Public Schools äußerten sich zunächst nicht zu den konkreten Vorwürfen, betonten jedoch, dass sie die Einhaltung aller Bundesgesetze ernst nähmen. Der Bethel School District wies die Anschuldigungen zurück und erklärte, man arbeite mit den Ermittlern zusammen. Die Untersuchungen könnten weitreichende Folgen haben: Sollte ein Verstoß festgestellt werden, drohen den Bezirken der Verlust von Bundesmitteln sowie Auflagen zur Nachbesserung ihrer Verfahren.
Die Fälle haben eine Debatte über die Grenzen schulischer Bildungsinhalte und die Rechte von Eltern neu entfacht. Befürworter strengerer Regeln argumentieren, dass Schulen Themen wie Sexualität und Geschlechtsidentität nur mit vorheriger Zustimmung der Eltern behandeln dürften. Gegner hingegen sehen darin einen Versuch, die Lehrpläne aus ideologischen Gründen zu beschneiden. Die zuständige Behörde, das Office for Civil Rights im Bildungsministerium, wird nun prüfen, ob die Bezirke die Vorschriften des PPRA korrekt umgesetzt haben.
Der PPRA gilt für alle öffentlichen Schulen, die Bundesgelder erhalten. Er schreibt vor, dass Eltern die Möglichkeit haben müssen, ihre Kinder von Befragungen, Tests oder Evaluierungen auszuschließen, die sich auf sensible Themen wie sexuelles Verhalten, psychologische Probleme oder religiöse Überzeugungen beziehen. Im aktuellen Fall geht es um die Frage, ob die gezeigten Inhalte als solche Untersuchungen einzustufen sind oder ob es sich um regulären Unterricht handelte.
Das Bildungsministerium hat keine Frist für den Abschluss der Ermittlungen genannt. Es ist nicht das erste Mal, dass derartige Beschwerden gegen Schulbezirke erhoben werden. In den vergangenen Jahren hatten mehrere konservative Gruppen und Elterninitiativen Klagen eingereicht, weil sie Lehrinhalte zu sexueller Orientierung und Geschlechtsidentität als unangemessen empfanden. Die aktuellen Untersuchungen könnten daher als Präzedenzfall für künftige Auseinandersetzungen zwischen Eltern, Schulen und Bundesbehörden dienen.
