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Howard Lutnick: Wie der 11. September Trumps Handelsminister prägt

Der Terroranschlag vom 11. September 2001 tötete 658 Mitarbeiter von Lutnicks Firma Cantor Fitzgerald, darunter seinen Bruder. Heute prägt dieses Trauma seine Politik als US-Handelsminister: Abhängigkeit macht verwundbar, Sicherheit entsteht durch Stärke und Kontrolle.

Howard Lutnick: Wie der 11. September Trumps Handelsminister prägt
9/11 prägt Trumps Handelsminister: Wer ist Howard Lutnick?

Der 11. September 2001 hat das Leben von Howard Lutnick für immer verändert. An jenem Morgen stand er vor der Schule seines Sohnes, als sein Handy klingelte. Es war der erste Kindergartentag. Die Verbindung brach immer wieder ab. Später erfuhr er, wer ihn erreichen wollte: sein jüngerer Bruder Gary, der in den Büros von Cantor Fitzgerald im Nordturm des World Trade Centers arbeitete – oberhalb der Einschlagstelle des von Terroristen gesteuerten Flugzeugs. Gary Lutnick erreichte die gemeinsame Schwester und verabschiedete sich. Howard Lutnick verpasste den letzten Anruf seines Bruders.

Cantor Fitzgerald verlor an diesem Tag 658 seiner 960 New Yorker Mitarbeiter – mehr als jedes andere Unternehmen. Unter den Toten waren Lutnicks Bruder und sein bester Freund. Der damals 40-Jährige musste nicht nur trauern, sondern auch seine Firma retten. Wenige Tage nach den Anschlägen gründete er mit seiner Schwester einen Hilfsfonds für die Angehörigen. Das Unternehmen verpflichtete sich, über Jahre einen Teil seiner Gewinne an die Familien der Opfer weiterzugeben. Der Wiederaufbau von Cantor Fitzgerald wurde zum zentralen Teil von Lutnicks Biografie: ein schwerer Schlag, danach der Versuch, mit unerbittlicher Härte stärker zurückzukommen.

Politisch führte ihn 9/11 zunächst keineswegs automatisch zu den Republikanern. Noch 2016 unterstützte Lutnick Hillary Clinton. Sie habe New York nach den Anschlägen geholfen, begründete er das später. So etwas vergesse er nicht. Loyalität gegenüber Menschen, die in einer Krise an seiner Seite standen, spielt in seinem Denken eine große Rolle. Erst nach dem Hamas-Angriff auf Israel am 7. Oktober 2023 schloss er sich Donald Trump an. Trumps Reaktion habe eine klare moralische Haltung gezeigt, sagte er später.

Im Wahlkampf 2024 verknüpfte Lutnick seine eigene Geschichte ausdrücklich mit der Politik. Er erzählte vom Tod seines Bruders und seiner Mitarbeiter am 11. September und sagte, deshalb wisse er, was islamistischer Terror bedeute. Die USA müssten entschlossen gegen ihre Gegner vorgehen. Dieses Denken überträgt er heute auf die Wirtschaft. Als Handelsminister argumentiert er, Amerika dürfe bei zentralen Gütern nicht vom Ausland abhängig sein. Ein Land könne keinen Krieg führen, wenn es seinen Stahl nicht selbst herstelle. Bei CBS formulierte er dieselbe Vorstellung grundsätzlicher: Handelspolitik sei eine Frage der nationalen Sicherheit. Amerika müsse Medikamente, Halbleiter, Schiffe, Stahl und Aluminium selbst herstellen können. Die USA müssten anfangen, sich «selbst zu schützen».

Darin findet sich ein Motiv wieder, das Lutnicks Biografie seit dem 11. September 2001 durchzieht: Sicherheit entsteht für ihn durch Stärke, Kontrolle und die Fähigkeit, nach einem Schlag aus eigener Kraft weiterzumachen. Nach 9/11 verfolgte er dieses Prinzip zunächst bei Cantor Fitzgerald. Heute überträgt er es auf ein ganzes Land. Amerika müsse wieder lernen, sich selbst zu schützen, lautet seine Botschaft.

Trotzdem wäre es falsch, zu behaupten, der Terroranschlag habe Lutnick zum Anhänger von Strafzöllen gemacht. Er selbst widerspricht einer solch vereinfachten Erzählung. Noch Jahre später habe er von Zöllen wenig verstanden, sagt Lutnick 2025. Erst Donald Trump habe ihm das Thema nähergebracht. Mehr als ein Jahr lang hätten beide gemeinsam an der späteren Zollpolitik gearbeitet. 9/11 machte Lutnick also nicht zum Anhänger von Strafzöllen, aber zum Verfechter einer Politik, die knallhart die Interessen der USA durchboxt – und sei es mit Strafzöllen.

Konstantin Schuster

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Science Correspondent

Konstantin Schuster covers public affairs, politics, business, culture and daily news for Hochland. The role focuses on verification, context, and clear explanations for readers.