Selenskyj kritisiert US-Sanktionserleichterung für russischen Diesel scharf
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj verurteilt die zwischen den USA und Russland vereinbarte Aufhebung von Sanktionen für den Verkauf von russischem Diesel als Investition in den Krieg. Er bietet im Gegenzug die Einstellung ukrainischer Angriffe auf russische Raffinerien an, falls Moskau die Attacken auf ukrainische Energieanlagen beendet. Unterdessen wird der russische Militärblogger Michail Swintschuk in Montenegro festgenommen, und Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko rät den Einwohnern, die Stadt vorübergehend zu verlassen.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die zwischen den USA und Russland vereinbarte Aufhebung von Sanktionen für den Verkauf von russischem Diesel scharf verurteilt. «Die Erlaubnis für Russland, Erdölprodukte zu verkaufen, ist eine Investition in den Krieg gegen die Ukraine, den man beenden und nicht verlängern muss», schrieb Selenskyj auf Telegram. Moskau werde mit weiterem «Terror und Gemeinheiten» danken.
Selenskyj erneuerte zugleich die ukrainische Bereitschaft, Angriffe auf russische Raffinerien einzustellen, wenn Russland im Gegenzug die Attacken auf ukrainische Energieanlagen beendet. «Wir haben eben Amerika eine solche Vereinbarung vorgeschlagen und finden, dass die Kräfte der Vereinigten Staaten ausreichend sind, um einen derartigen Kompromiss zu erreichen», erklärte der Staatschef. Eine Abschwächung der Russland-Sanktionen sei ein Zeichen «offensichtlicher Schwäche». Russland werde die USA noch weniger ernst nehmen.
Die Kritik fällt in eine Phase intensiver militärischer Auseinandersetzungen. In der Nacht zu Freitag griff die Ukraine mehrere russische Regionen an. Nach Angaben der Online-Zeitung «Kyiv Independent» richtete sich einer der Angriffe gegen eine Fabrik, die Treibstoff für Marschflugkörper der Typen Kh-55 und Kh-101 herstellt. In dem Werk werden demnach Teile des Raketentreibstoffs Decilin-M sowie Zusätze für Diesel und Flugturbinentreibstoff produziert. Die Anlage war bereits im Februar 2026 Ziel eines ukrainischen Angriffs; damals sollen laut ukrainischem Generalstab rund 6000 russische FPV-Drohnen zerstört worden sein. Ein weiterer ukrainischer Angriff löste in der Nacht zudem einen Brand in einem Öldepot nördlich der Stadt Belgorod aus, wie Daten der NASA-Plattform Fire Information for Resource Management System (FIRMS) zeigen. Über das Ausmaß des Schadens war zunächst nichts bekannt.
Auch auf russischer Seite gab es Angriffe. Beim Technologiekonzern Yandex setzte ein Drohnenangriff mehrere Module eines Rechenzentrums in der Region Kaluga vollständig außer Betrieb. Das Unternehmen teilte mit, es könne zu Beeinträchtigungen bei einigen Dienstleistungen kommen. Bereits am Donnerstag hatten ukrainische Drohnen erstmals ein wichtiges Rechenzentrum der Firma getroffen. Yandex bietet unter anderem mit YandexGPT eines der führenden russischen Modelle für Künstliche Intelligenz an, betreibt eine Suchmaschine gleichen Namens sowie Fahrdienst- und weitere Technologiedienste.
Unterdessen ist der Gründer des meistgelesenen russischen Militärblogs Rybar, Michail Swintschuk, in Montenegro festgenommen worden. Ministerpräsident Milojko Spajić teilte die Festnahme auf X mit, ohne den Namen zu nennen. Rybar bestätigte die Festnahme Swintschuks auf Telegram und erklärte, er und die anderen Festgenommenen seien legal in dem Balkanland an der Adria gewesen. Das russische Außenministerium versucht nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Tass, die Umstände über die Botschaft in Podgorica zu klären. Nach Medienberichten wurden Swintschuk, seine Frau und drei weitere russische Staatsbürger in dem Ort Risan in der Bucht von Kotor festgenommen. Er war angeblich zu Dreharbeiten dort. Als Verfechter des russischen Angriffskriegs steht Swintschuk auf mehreren westlichen Sanktionslisten. Die Behörden von Montenegro äußerten sich zunächst nicht zu den Vorwürfen. Spajić sprach von einer «erfolgreichen Operation».
In der Ukraine selbst wächst der Druck auf die Zivilbevölkerung. Der Kiewer Bürgermeister Vitali Klitschko hat den Einwohnern empfohlen, die Stadt vorübergehend zu verlassen. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur AFP wandte er sich insbesondere an Menschen, die Freunde oder Verwandte außerhalb der ukrainischen Hauptstadt haben. «Täglich erreichen uns neue Meldungen über zerstörte Gebäude, Verletzte und Tote, da der Beschuss unserer Stadt immer heftiger wird», sagte der Bürgermeister. «Heute geht es ums Überleben.» Es handle sich ausdrücklich nicht um eine vollständige Evakuierung der Stadt, betonte Klitschko. «Das ist Putins Ziel… das beste Szenario für Putin wäre, wenn wir alle gehen und ihm unsere leeren Städte und unser Land übergeben würden», sagte er.
Bereits am Donnerstag hatte Selenskyj im Gespräch mit Journalisten erklärt, die Ukraine erörtere alle Optionen für eine sektorale Waffenruhe, auch zu Wasser und im Energiebereich. «Was mögliche sektorale Waffenruhen betrifft: Wir besprechen alles, sowohl den Seeverkehr als auch die Energieversorgung», sagte er nach Angaben der ukrainischen Nachrichtenagentur Ukrinform.
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