Die US-Armee hat gemeinsam mit Saudi-Arabien Luftangriffe gegen pro-iranische Milizen im Osten des Iraks durchgeführt. Das US-Regionalkommando Centcom teilte mit, amerikanische und saudische Kampfflugzeuge hätten mehrere Logistik- und Waffenlager der nicht näher benannten Gruppierung angegriffen. Die Aktion vom Mittwoch war eine Reaktion auf mehr als 30 von den iranischen Revolutionsgarden angeordnete Drohnenangriffe innerhalb der vergangenen 72 Stunden.

Nach Angaben von Centcom hatten die Revolutionsgarden die Milizen zu Angriffen auf in Saudi-Arabien stationierte US-Truppen sowie auf die Energieinfrastruktur des Landes angestiftet. Die Attacken auf US-Streitkräfte seien „erfolglos“ gewesen. Bei den gemeinsamen Luftangriffen kamen nach Berichten aus irakischen Sicherheitskreisen mehrere Menschen ums Leben, zahlreiche weitere wurden verletzt. Die genauen Opferzahlen waren zunächst nicht offiziell bestätigt.

Parallel zu den Luftschlägen versuchte der Iran einen Überraschungsangriff auf im Nahen Osten stationierte US-Streitkräfte. Einheiten der Revolutionsgarden hätten mehrere ballistische Raketen vom Iran aus abgefeuert, erklärte Centcom. „Alle iranischen Raketen wurden erfolgreich abgefangen.“ Der Angriff sei vereitelt worden. Es handelte sich um den ersten gemeldeten iranischen Raketenangriff seit einer mehrtägigen Kampfpause, die am vergangenen Freitag begonnen hatte.

Während dieser kurzen Atempause hatte US-Präsident Donald Trump zuversichtlich auf eine mögliche Verhandlungslösung mit Teheran geblickt. Er sprach am Montag von einer „guten Chance“ für eine Einigung. Die erneuten Militäraktionen beider Seiten haben diese Hoffnung jedoch vorerst zunichtegemacht. Die internationalen Ölmärkte reagierten sofort: Die Rohölpreise stiegen deutlich, da Händler eine Ausweitung des Konflikts und mögliche Versorgungsengpässe befürchten.

Im Roten Meer verschärfte sich die Lage zusätzlich. Die pro-iranische Huthi-Miliz im Jemen meldete einen Angriff auf einen saudischen Öltanker. Der Tanker „NCC Ghazal“ habe gegen eine von den Huthis verhängte Seeblockade für saudische Schiffe verstoßen, erklärte die Miliz über ihren Fernsehsender Al-Masira. Das Schiff habe Warnungen ignoriert und sei gezwungen gewesen umzukehren, nachdem mehrere Raketen abgefeuert worden waren. Die Huthis hatten in der vergangenen Woche eine Blockade angekündigt und seitdem nach eigenen Angaben mehrfach saudische Öltanker sowie Anlagen der Ölindustrie attackiert.

Die Spannungen im Nahen Osten haben damit wieder ein hohes Niveau erreicht. Die gemeinsamen US-saudischen Angriffe im Irak und die iranischen Raketensalven zeigen, dass eine schnelle diplomatische Lösung nicht in Sicht ist. Beobachter warnen vor einer gefährlichen Eskalationsspirale, die auch die globalen Energiemärkte und die Stabilität der gesamten Region bedroht. Saudi-Arabien hat zudem eigene Luftangriffe auf von den Huthis kontrollierte Gebiete im Jemen geflogen, um die Blockade zu beantworten. Die von Riad geführte Militärkoalition unterstützt seit 2015 die jemenitische Regierung im Kampf gegen die Huthis.