Die Waldbrände in Spanien haben am vergangenen Wochenende eine verheerende Dimension erreicht. Nach Angaben der Behörden wurden bisher mehr als 83.000 Hektar Land vernichtet, rund 175.000 Menschen sind von Evakuierungen oder Ausgangssperren betroffen. Der Feuerwehreinsatz konzentriert sich derzeit auf die Regionen Madrid, Ávila, Toledo und Castellón, wo die Lage weiterhin äußerst angespannt ist. Allein in den Provinzen Madrid, Ávila und Toledo verbrannten über 77.000 Hektar, wovon der Brand in Ávila mit rund 50.000 Hektar der größte in der spanischen Geschichte ist. Damit übertrifft er den bisherigen Rekord vom August 2025, als in der Region Larouco, Quiroga und Oencia mehr als 37.000 Hektar in Flammen aufgingen.
Die Evakuierungsmaßnahmen betreffen insgesamt 65 Gemeinden. In der Zentralregion wurden 39 Orte evakuiert, darunter 16 in Ávila, 12 in Madrid und 11 in Toledo. Weitere sieben Gemeinden wurden abgeriegelt, sodass die Bewohner ihre Häuser nicht verlassen dürfen. Die Behörden sprechen von rund 95.000 betroffenen Menschen in dieser Zone, von denen 60.000 evakuiert und 30.000 in ihren Wohnungen eingeschlossen wurden. Hinzu kommt der Brand in Vall d'Uixò in der Provinz Castellón, der bereits mehr als 6.500 Hektar erfasst hat. Dort wurden 16 Gemeinden evakuiert und drei weitere unter Ausgangssperre gestellt, womit rund 80.000 Menschen betroffen sind.
Die Löschmannschaften arbeiten unter Hochdruck daran, die Flammen einzudämmen. Oberstleutnant Alfonso Arribas von der Militärischen Notfalleinheit (UME), der die operative Leitung der drei Großbrände in der Mitte des Landes koordiniert, erklärte am Sonntag, dass die Wetterbedingungen endlich günstiger seien. Dennoch bleiben die Einsätze äußerst komplex. Die größte Sorge gilt dem südlichen Flügel des Brandes in Ávila, der sich mit dem Feuer in Toledo vereinigen könnte. In der Sierra Oeste bei Madrid bedroht der Brand die westliche Flanke, und die Einsatzkräfte versuchen zudem, ein Ausbreiten nach Norden zu verhindern. Generalmajor Fernando Martín Pascual betonte, dass die Teams mit großer Wirksamkeit vorgingen, die Lage aber immer wieder die Löschkapazitäten übersteige. «Wir finden Wege, die Brände mit geeigneten Verteidigungslinien zu stoppen», sagte er am Einsatzleitstand in Navalcarnero. Die Einsätze sind rund um die Uhr organisiert: Tagsüber und nachts wird durchgehend gearbeitet, wobei die Nacht als wichtiges Zeitfenster für Bodenangriffe genutzt wird, um am Morgen mit Luftunterstützung fortzufahren.
Die politische Führung Spaniens hat sich vor Ort ein Bild von der Katastrophe gemacht. Ministerpräsident Pedro Sánchez besuchte den Führungsstab in Navaluenga in Ávila und bezeichnete die Entwicklung der Brände als «sehr positiv». Er kündigte an, dass die betroffenen Gebiete im nächsten Ministerrat zu «Katastrophenzonen im Sinne des Zivilschutzes» erklärt werden. Die Regionalregierung von Kastilien und León will ebenfalls die Anerkennung als Katastrophengebiet beantragen und sich als Nebenklägerin in einem möglichen Verfahren zur Brandursache beteiligen. Auch Vizeregierungschefin Sara Aagesen sowie Minister Óscar López und Oppositionsführer Alberto Núñez Feijóo besuchten die Einsatzzentrale in Navalcarnero. Aagesen betonte die Bedeutung gemeinsamen Handelns und vorausschauender Maßnahmen. Feijóo lobte die Koordination aller öffentlichen Verwaltungen.
Neben den spanischen Einsatzkräften ist auch internationale Hilfe im Einsatz. Nachdem Spanien den EU-Zivilschutzmechanismus aktiviert hatte, treffen Löschflugzeuge und Experten aus Griechenland, Italien, der Türkei und Portugal ein. Zudem unterstützen Einheiten aus elf weiteren Autonomen Gemeinschaften sowie vier Städten und anderen lokalen Körperschaften die Löscharbeiten. Die Behörden rufen die Bevölkerung weiterhin zur Vorsicht auf, da die Brandgefahr aufgrund der Trockenheit und Hitze extrem hoch bleibt. Die nächsten Tage werden zeigen, ob die Feuer endgültig unter Kontrolle gebracht werden können.
