Die italienische Abgeordnetenkammer hat einem parteiübergreifenden Änderungsantrag zum Sportdekret zugestimmt, der die Sicherheitsvorschriften für Schwimmbäder deutlich verschärft. Die neuen Regelungen reagieren auf eine Serie tragischer Todesfälle in den vergangenen Wochen, bei denen Menschen durch den sogenannten Ventuseneffekt an Abflussöffnungen (Bocchettoni) in Schwimmbecken ums Leben kamen. Betroffen sind sowohl öffentliche als auch private Bäder.

Kern der Neuregelung ist die Verpflichtung, alle Abflussöffnungen so zu gestalten oder nachzurüsten, dass sie keinen gefährlichen Sog entwickeln können, der Schwimmer unter Wasser festhalten kann. Der Ventuseneffekt entsteht, wenn die Abdeckung einer Abflussöffnung fehlt oder beschädigt ist und der starke Sog des Filtersystems eine Person gegen die Öffnung presst. In mehreren dokumentierten Fällen führte dies zu Ertrinken, da die Betroffenen sich nicht mehr aus eigener Kraft befreien konnten.

Zur Finanzierung der erforderlichen Umrüstungen wird ein staatlicher Fonds in Höhe von fünf Millionen Euro eingerichtet. Betreiber von Schwimmbädern können aus diesem Topf Zuschüsse beantragen, um ihre Anlagen auf den neuesten Sicherheitsstandard zu bringen. Die Frist für die Umsetzung der Maßnahmen wird im Laufe des parlamentarischen Verfahrens noch festgelegt, wobei eine Übergangsfrist von mehreren Monaten erwartet wird, um den Betreibern ausreichend Zeit für die Beschaffung und Installation der neuen Sicherheitsvorrichtungen zu geben.

Der Änderungsantrag, der von Abgeordneten mehrerer Fraktionen unterstützt wurde, sieht zudem eine Anpassung der bestehenden Vorschriften vor. So wird die ursprünglich geplante Einführung einer generellen Badekappenpflicht für Minderjährige unter 16 Jahren wieder gestrichen. Diese Regelung war im Vorfeld auf Kritik gestoßen, da sie als bürokratische Hürde ohne direkten Sicherheitsgewinn angesehen wurde. Stattdessen konzentriert sich der Gesetzgeber nun auf technische Maßnahmen an den Becken selbst.

Die Debatte um die Sicherheit in Schwimmbädern war durch mehrere schwere Unfälle in den letzten Wochen neu entfacht worden. Besonders tragische Fälle, bei denen Kinder und Jugendliche in öffentlichen Bädern ums Leben kamen, hatten landesweit für Bestürzung gesorgt und den politischen Druck auf die Regierung erhöht, schnell zu handeln. Die Opposition warf der Regierung zunächst vor, zu zögerlich zu reagieren, unterstützte den nun vorgelegten Änderungsantrag dann aber geschlossen.

Das Sportdekret, in das die neuen Sicherheitsbestimmungen eingefügt wurden, ist ein umfassendes Gesetzespaket, das verschiedene Bereiche des Sports und der Freizeitgestaltung regelt. Die Verschärfung der Sicherheitsvorschriften für Schwimmbäder ist dabei ein zentraler Punkt, der weit über die ursprünglichen Planungen hinausgeht. Experten für Bädersicherheit begrüßten die Entscheidung und wiesen darauf hin, dass moderne Sicherheitssysteme wie spezielle Abdeckungen oder Druckentlastungsventile den Ventuseneffekt zuverlässig verhindern könnten.

Betreiber von Schwimmbädern stehen nun vor der Herausforderung, ihre Anlagen innerhalb der Übergangsfrist zu überprüfen und gegebenenfalls nachzurüsten. Der Fonds von fünf Millionen Euro soll dabei helfen, die finanzielle Belastung insbesondere für kleinere kommunale Bäder und private Vereine abzufedern. Die genauen Modalitäten der Antragstellung werden derzeit vom zuständigen Ministerium ausgearbeitet. Die neuen Regelungen gelten für alle Arten von Schwimmbecken, einschließlich solcher in Hotels, Freizeitparks und Sportzentren.

Die endgültige Verabschiedung des Gesetzes wird in den kommenden Wochen im Senat erwartet. Sollte die zweite Kammer zustimmen, könnten die neuen Sicherheitsstandards noch vor der nächsten Badesaison in Kraft treten. Die Behörden kündigten an, die Einhaltung der Vorschriften künftig strenger zu kontrollieren und bei Verstößen empfindliche Strafen zu verhängen. Ziel sei es, die Sicherheit der Badegäste nachhaltig zu verbessern und weitere Tragödien zu verhindern.