Mehr als 155 Wissenschaftler, Ärzte und Gesundheitsbefürworter haben in einem offenen Brief ein Ende der öffentlichen Schikanierung von Wissenschaftlern durch die Trump-Regierung und ihre Verbündeten gefordert. Der Brief wurde einen Tag vor der für heute anberaumten Anhörung des früheren obersten Wissenschaftsberaters der US-Regierung, Anthony Fauci, vor dem US-Kongress veröffentlicht. Die Unterzeichner bezeichnen die gegen Fauci erhobenen Vorwürfe als «haltlos» und prangern eine systematische Kampagne gegen die wissenschaftliche Gemeinschaft an.
Der Ausschuss für Heimatschutz und Regierungsangelegenheiten des US-Senats, der von den Republikanern kontrolliert wird, hatte Fauci zur Aussage gezwungen. Die Wissenschaftler und Mediziner werfen der Regierung vor, einen «Krieg gegen einzelne Wissenschaftler» zu führen. In dem Schreiben heißt es, die «Verunglimpfung und Schikanierung vieler amerikanischer Wissenschaftler» müsse ein Ende haben. Fauci, der jahrzehntelang das Nationale Institut für Allergie und Infektionskrankheiten (NIAID) leitete, ist zu einer Symbolfigur im Streit um die Corona-Politik der USA geworden.
Die Unterzeichner des Briefes kommen aus verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen und Institutionen. Sie fordern die Trump-Regierung auf, die öffentliche Hetze gegen Wissenschaftler einzustellen und stattdessen auf faktenbasierte Politik zu setzen. Der Brief macht deutlich, dass die wiederholten Angriffe auf die Glaubwürdigkeit von Forschern nicht nur einzelnen Personen schaden, sondern das gesamte Vertrauen in die Wissenschaft untergraben. Die Anhörung Faucis wird als weiterer Höhepunkt dieser politischen Auseinandersetzung gesehen.
Hintergrund des offenen Briefes sind jahrelange Auseinandersetzungen um die Herkunft des Coronavirus und die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie. Republikanische Politiker, darunter Senator Rand Paul, haben Fauci wiederholt vorgeworfen, die Öffentlichkeit getäuscht und die Forschung zur Entstehung des Virus behindert zu haben. Die Unterzeichner des Briefes weisen diese Anschuldigungen entschieden zurück und verweisen auf Faucis langjährige Verdienste im Kampf gegen Infektionskrankheiten. Sie fordern eine Rückkehr zu einer sachlichen Debatte ohne persönliche Angriffe.
Der offene Brief kommt zu einem Zeitpunkt, an dem das politische Klima in den USA weiterhin aufgeheizt ist. Die Wissenschaftler appellieren an die Regierung, die Unabhängigkeit der Forschung zu respektieren und Wissenschaftler nicht als Sündenböcke für politische Zwecke zu missbrauchen. Sie betonen, dass die öffentliche Schikanierung von Forschern dazu führe, dass talentierte Nachwuchswissenschaftler abgeschreckt würden und wichtige Erkenntnisse verloren gingen. Die Anhörung Faucis wird mit Spannung erwartet, da sie möglicherweise neue Einblicke in die umstrittenen Vorgänge während der Pandemie geben könnte.
