Der ukrainische Aktivist und Freiwillige Serhij Sternenko hat am Dienstag auf seinem Telegram-Kanal erklärt, dass General Oleksandr Syrskyj nicht mehr Oberkommandierender der ukrainischen Streitkräfte (OSK) sei. In einer knappen Nachricht schrieb Sternenko: «Syrskyj ist nicht länger Oberkommandierender.» Kurz darauf erschien auf dem öffentlichen Telegram-Kanal von Syrskyj eine ironische Antwort, die Sternenkos Aussage zitierte und mit den Worten «Sternenko ist kein Rapper mehr. 1:1» kommentierte. Die Nachricht ist über den offiziellen Kanal des Generals abrufbar.

Bislang gibt es jedoch keine offizielle Bestätigung dieser Personalie durch den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, das Verteidigungsministerium oder den Generalstab. Ein entsprechender Erlass des Präsidenten oder eine offizielle Mitteilung liegen zum jetzigen Zeitpunkt nicht vor. Die Meldung stützt sich allein auf Sternenkos Aussage, die in der ukrainischen Öffentlichkeit und in sozialen Netzwerken für erhebliche Aufmerksamkeit sorgt.

Die Entwicklung findet vor dem Hintergrund wachsenden öffentlichen Drucks und anhaltender Kritik an Syrskyjs Führung statt. In den vergangenen Wochen hatten mehrere ukrainische Militärbeobachter, Abgeordnete und Veteranenverbände den Rücktritt des Oberkommandierenden gefordert. Kritiker werfen Syrskyj unter anderem schwere Verluste an der Front, mangelnde Kommunikation mit der Truppe und eine unzureichende Anpassung der Verteidigungsstrategie an die veränderte Kriegslage vor. Die Forderungen nach einer Ablösung hatten sich zuletzt verstärkt, nachdem russische Truppen in mehreren Abschnitten der Front taktische Erfolge erzielen konnten.

Serhij Sternenko ist in der Ukraine als Aktivist, Blogger und ehemaliger Anführer der rechtsextremen Gruppe Prawyj Sektor bekannt. Er engagiert sich seit Kriegsbeginn intensiv in der militärischen Versorgung und sammelt regelmäßig Spenden für die ukrainischen Streitkräfte. Seine Aussagen werden in der ukrainischen Öffentlichkeit oft kontrovers diskutiert, finden aber aufgrund seiner Nähe zu Militärkreisen und seiner umfangreichen Netzwerke Beachtung. Sternenko selbst hat keine offizielle Funktion im Verteidigungsministerium oder im Generalstab inne.

Oleksandr Syrskyj war im Februar 2024 zum Oberkommandierenden der ukrainischen Streitkräfte ernannt worden, nachdem sein Vorgänger Walerij Saluschnyj entlassen worden war. Syrskyj galt als erfahrener Militärstratege, der zuvor unter anderem die Verteidigung von Kiew im Frühjahr 2022 und die Gegenoffensive in der Region Charkiw im Herbst 2022 geleitet hatte. Seine Ernennung war damals von Präsident Selenskyj mit der Notwendigkeit einer neuen militärischen Dynamik begründet worden.

In den sozialen Medien und in ukrainischen Nachrichtenportalen wird die Meldung intensiv diskutiert. Während einige Nutzer Sternenkos Aussage als glaubwürdig einstufen und eine baldige offizielle Bestätigung erwarten, warnen andere vor voreiligen Schlüssen. Die ironische Antwort aus Syrskyjs Kanal wird von Beobachtern als Versuch gewertet, die Meldung zu relativieren oder als Fehlinformation darzustellen. Eine offizielle Stellungnahme des Präsidentenbüros oder des Verteidigungsministeriums steht weiterhin aus.

Die ukrainische Führung steht unter erheblichem Druck, sowohl von innenpolitischen Akteuren als auch von internationalen Partnern, die eine effektivere Kriegsführung und eine bessere Koordination der Truppen fordern. Sollte sich die Meldung bestätigen, wäre dies der zweite Wechsel an der Spitze der ukrainischen Streitkräfte innerhalb von etwas mehr als einem Jahr. Analysten verweisen darauf, dass ein solcher Schritt die Moral der Truppen und das Vertrauen der Bevölkerung in die militärische Führung beeinflussen könnte.

Bis zur offiziellen Bestätigung bleibt die Lage unklar. Die Redaktion beobachtet die Entwicklung und wird bei Vorliegen offizieller Informationen umgehend berichten.